Subjektiver Lebenslauf

Die Motivation zum Schreiben ist erklärlich: Ich, das jüngste von drei Kindern einer fünfköpfigen Familie mit nichtakademischen Eltern und damals ein eher introvertierter Junge, sah als Fünfjähriger auf einem kleinen Feld auf der anderen Straßenseite in Minden-Dankersen einen kleinen Wanderzirkus. Daraufhin lief ich zu Nachbarn, klingelte und sagte: „Ich muss euch was erzählen“ und diese, in jenem Fall zwei ältere Damen, meinten: „Ja, das ist so einer.“ Daher ist es nur logisch, wenn „so einer“ später in der Schule das Lesen und Schreiben für sich entdeckt, zunächst freilich die erzählende Prosa und später auch die Lyrik. Doch man schreibt und liest  meist allein, daher nahm man von außen in dieser Zeit eher den Handballer wahr, obwohl ich nie Profisportler wurde. 

Vielleicht habe ich die Sache mit dem Lesen im Studium der Literaturwissenschaft bis zum Doktor der Philosophie (2005) ein wenig übertrieben, mag dieser Grad für einen Schriftsteller etwas hoch erscheinen, doch war ich immer dann motiviert, wenn ich das Gefühl hatte, auf andere, eben „so welche“, lesend zu treffen. Dies war auch bei dem bibliophilen Übersetzer- und Schriftsteller-Ehepaar Max und Margarete Bruns der Fall , wobei er zeitweilig bis 1929 auch Verleger war. Ebenso war es mir zuvor bei vielen anderen ergangen: Als Kind bei Astrid Lindgren und Michael Ende, später bei Charles Baudelaire und dem in den Niederlanden noch immer sehr, doch in Deutschland heute fast unbekannten Multatuli, Edgar Allan Poe, Virginia Woolf, Michail Bulgakow, Pablo Neruda, Gabriel García Márquez, Derek Walcott, aber auch bei Paul Scheerbart, den Dadaisten, Erich Kästner, Hermann Hesse, Robert Musil, Wolfgang Borchert, Robert Neumann, Arno Schmidt, Galsan Tschinag, Hanna Johansen, Klaus Modick und sogar bei Shakespeare und Goethe, allen voran jedoch beim Iren James Joyce, dessen Übersetzung seines Romans „Ulysses“ durch den in Minden geborenen Hans Wollschläger in Deutschland einen recht hohen Bekanntheitsgrad erlangte.

Doch es war nicht nur Lesen, da waren auch die Reisen. In den USA sah ich ein schönes, riesiges Land mit fast allem, was dieser Planet zu bieten hat. In der amerikanischen Gesellschaft zeigten sich jedoch viel Licht und Schatten, viel Glück, aber zu viel Unglück, viel Streben nach Großem, doch weniger Wirken im Kleinen, viel Reichtum gegenüber zu viel Armut, Klugheit neben Dummheit, sowie in den ehemaligen Südstaaten auch Rassismus zwischen den Einen und den jeweils Anderen im Land der unbegrenzten Möglich- und Unmöglichkeiten. In Chile dagegen: Ein ständiges Ringen von Demokraten, Linken und Mapuche um echte Demokratie und gegen Ausbeutung von Menschen, Urwäldern und irgendwie Allem. Dies floss  in "Zwei Seiten" ein, meinen ersten Roman, wie damals der Wanderzirkus ins mündliche, nichtfiktionale Erzählen eines Kindes. So gehören Schreiben, Lesen und Leben bei mir zusammen. Nun lebe ich als freier Schriftsteller im sogenannten „Schnurrviertel“ in Minden. Auch über Literatur schreibe ich noch, wenngleich heute meist über zeitgenössische meiner Generation, wie über das bisherige Gesamtwerk von Lukas Bärfuss, Ulrike Almut Sandig und Carl-Christian Elze.

Objektivere Lebensläufe über mich gibt es hier und hier.

Preise und Stipendien:

2013 Debütpreis des Pop Verlags für den Roman "Zwei Seiten"

2020-22 Die "Auf geht's" Küntlerstipendien des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW

2021/2022 Neustart-Stipendium der VG Wort

 

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